Warum Aktion und Stille sich brauchen
Letztes Wochenende war ich zweimal gefordert. Samstagabend die Werkschau meines Improtheaterkurses vor Publikum, Sonntag zwei bis drei Stunden Stelzenlaufen im Iris-Kostüm in Offenburg. Ich bin in meiner Präsenz gefordert: für meine Mitspieler:innen, für die Show, für den Walkact, für das Publikum. Ich bin das ganze Wochenende in Aktion – im Außen, spüre Adrenalin, Aufregung und pure Lebendigkeit. Und ich weiß, dass ich danach Zeit brauche. Früher hätte ich mir diese Zeit für Ruhe nicht gegeben. Und jetzt ist sie für mich zu einer Kraftquelle geworden, denn die Aktion geht nicht ohne meine Stille. Ruhig zu sein hätte ich fast nicht ausgehalten, zu stark war das Gefühl der Orientierungslosigkeit wenn da nichts ist, zu stark war mein Gedanke, dass das Zeitverschwendung ist. Das Ergebnis war jedoch Stress und Unzufireden und ich habe mich dauerhaft gestresst gefühlt.


Das Pendel in mir: Polaritäten sind gut
Aktion und Ruhe sind keine Gegensätze, die du auflösen musst, sie gehören zusammen. Ich spüre die beiden Bedürfnisse wie ein Pendel in mir. Einerseits Aktion, andererseits Ruhe. Wenn ich mich in ein gutes Schwingen zwischen diesen beiden Polen begebe und das sehr bewusst erlebe, dann bin ich im Kontakt mit meiner Lebendigkeit. Bin ich nur im Geben, komme ich in Überlastung. Bin ich nur in der Stille, entsteht innere Unruhe, weil ich meine Resonanz in die Welt bringen möchte. Morgen habe ich nur einen Termin und ansonsten nehme ich mir Zeit für Reflexion und Langsamkeit.
In der gestalttherapeutischen Beratung nenne ich das die Arbeit mit deinen Polaritäten:
Wenn du merkst, dass du gerade sehr stark in einem der beiden Pole bist und dich eine innere Anspannung einholt, dann ist das ein Hinweis darauf, dass du dein Pendel in die andere Richtung schwingen darfst.
Was das für dich bedeutet
Vielleicht kennst du das auch. Vielleicht nicht von der Bühne, aber von Momenten, in denen du viel von dir gegeben hast, viel gezeigt, viel ausgedrückt, im Kontakt mit deinen Kindern, bei der Unterstützung deiner Angehörigen, im anspruchsvollen Job oder auch bei der Organisation einer Geburtstagsfeier.
Danach merkst du, dass da noch etwas in dir nachschwingt, etwas beachtet werden will. Nicht weil dich dein Handeln so erschöpft hat, sondern weil dein in Aktion sein etwas als Ausgleich braucht. Wenn du das ignorierst, ist mindestens Stress die Antwort.
Frag dich nach einem intensiven Tag:
Was habe ich heute von mir gezeigt und was brauche ich jetzt, um wieder ganz bei mir zu sein?
Falls dein Alltag voll ist und du wenig Zeit für Regeneration hast, dann tue zumindest das:
- Achte heute bewusst auf deinen Atem
- Trinke ein Glas warmes Wasser in Ruhe, achtsam und langsam
- Lächle dich im Spiegel an
- Massiere dein Gesicht
- Dehne und Strecke einmal kurz alle deine Muskeln
- Schreibe deine Gedanken auf
Und wenn du auch in dein ganz eigenes Schwingen kommen möchtest, dann melde dich für deinen ersten Termin für gestalttherapeutische Beratung. Ich freue mich auf dich. Hier kommst zu zum Kontaktformular.
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