Wie meine innere Reise meinen Mann herausfordert.
Kürzlich fragte ich mich: Hätte ich mich auch für meine gestalttherapeutische Weiterbildung angemeldet, wenn ich gewusst hätte, was das für meine Partnerschaft bedeutet?
Die Antwort lautet eindeutig: JA.
Denn ich darf erleben, was Weiterentwicklung wirklich bedeutet. Für mich. Für uns. Für ihn.
Wir waren ein Wir. Nahezu unzertrennlich. Wir haben alles geteilt, alles gemeinsam erlebt. Das Ich war irgendwann kaum noch da, er auch nicht. Und ich dachte, das sei Liebe.
Ich konnte kaum für mich und meine Bedürfnisse sorgen. Das Wir war zu groß, zu alles überragend. Und doch fragte ich mich irgendwann: Wen liebe ich eigentlich, wenn das Ich und das Du aufgehört haben zu existieren?
Kennst du das? Dich in einer Beziehung zu verlieren und es gleichzeitig irgendwie okay zu finden?
Die Weiterbildung führte mich zurück zu mir. Ich begann mein Ich wieder zu entdecken. Mich selbst ernst zu nehmen. Mich zu mögen. Ich bin nicht mehr abhängig davon, dass mein Partner mein Bedürfnis nach Verbindung, nach Gesehen werden, nach Bewunderung, nach Sicherheit stillt. Er muss meine emotionalen Lücken nicht mehr füllen. Und ich seine nicht mehr. Durch diese Unabhängigkeit entsteht eine neue und bewusstere Form der Nähe und Verbindung, ohne, dass ich mich auflöse.
Welche Lücken füllst du gerade durch andere? Oder welche füllst du für andere?
Was mir unser Weg zeigt: Wenn ein Mensch aufbricht, sich selbst zu begegnen, bleibt dem anderen nichts erspart. Er muss sich ebenfalls bewegen. Das ließ mich manchmal schier verzweifeln, denn auf einmal waren mir Themen und Muster so klar und er konnte sie nicht sehen.
Was wäre, wenn mein Mann nicht offen wäre? Nicht bereit, auch auf sich zu schauen? Dann bleiben mir zwei Möglichkeiten: resignieren und bleiben. Oder gehen. Und natürlich besteht auch in dem Prozess der Weiterentwicklung das Risiko, dass wir feststellen, dass unsere bisher eher in emotionaler Abhängigkeit geführter Beziehung, freier nicht mehr trägt. Doch das glauben wir beide nicht, und vor allem, das wollen wir nicht. Unsere Begegnungen finden mittlerweile ohne Drama statt, mit Verständnis, Hinschauen und Klarheit. Und genau das feiere ich.
Doch so viele Menschen wählen die Resignation und leben in einer Beziehung, die nach außen funktioniert und nach innen längst erkaltet ist. Wo irgendwann Verachtung und Entwürdigung zum Vorschein kommen. Nicht weil die Menschen schlecht sind, sondern weil das Unausgesprochene, das Ungehörte, das Ungelebte irgendwo hin muss.
Was passiert in dir, wenn du das liest?
Heute sind wir an einem Punkt, den wir ohne diese Prozesse nie erreicht hätten.
Er holt sich seine Unterstützung. Ich meine. Und gemeinsam holen wir uns unsere. Das ist wundervoll. Und das Ergebnis echter Arbeit.
Was wir nicht mehr tun, oder zumindest früher bemerken: uns im Wir zu verlieren. Denn eine Liebe die nicht auf Abhängigkeit aufgebaut ist, braucht ein Ich und ein Wir. Und die Bereitschaft, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.
In diesem Sinne, lieber Matthias.
Ich freue mich auf unseren gemeinsamen Weg. Auf unsere Entwicklungsstufen. Auf unsere Stolpersteine. Denn genau das ist der Schlüssel zu echter Begegnung und einer Liebe, die uns wirklich verbindet. Danke dir für dein mit mir weitergehen…
Wir merken, dass es so viele Tabus gibt, über Krisen in langjährigen Beziehungen zu sprechen, einige Beziehungen in unserem Umfeld sind auseinander gegangen, meist Schmerzhaft und nicht weil die Beteiligten die Beziehung nicht gewollt hätten, sondern weil die wirkliche Bereitschaft in Entwicklungsprozesse einzusteigen und genau hinzuhören und hinzuschauen nicht da war. Denn das ist einiges an Arbeit und tiefer Transformation. Lasst uns doch etwas offener miteinander sein und auch über Krisen sprechen. Denn eine Krise ist ja dafür da, gestärkt und erfahrungsreicher weiter zu gehen.
Du möchtest dich auf deinen eigenen Weg machen?
