Deinen Körper wirklich wahrnehmen lernen: Gestalte deine Kutsche

Was Jorge Bucays Allegorie von der Kutsche, ein Hoverboard und mein Fitnessstudio-Vorsatz miteinander zu tun haben.

Mein Mann und ich lesen uns ab und an einen Text von Jorge Bucay vor und unterhalten uns dann darüber. Das ist eine Praxis, die wir vor kurzem begonnen haben, weil wir feststellten, dass wir in unserer Entwicklung an sehr unterschiedlichen Punkten angekommen waren.

Meine 4,5-jährige intensive therapeutische Ausbildung ging nicht spurlos an unserer Beziehung vorbei. Auf einmal zeigten sich Muster, Glaubenssätze und Verantwortungsübertragungen, die wir vorher vielleicht spüren, aber nicht so benennen konnten.

Die Allegorie von der Kutsche: Danke an Jorge Bucay für dieses Bild

Jorge Bucay beginnt sein Buch „Selbstbestimmt leben“ mit der Allegorie der Kutsche. Die Kutsche steht für den Körper, der Kutscher für den Verstand und die Pferde für das Begehren, den Antrieb, die Tat. Zumindest habe ich das so für mich übersetzt.

Wir kamen darüber in einen Austausch: Wie sehen unsere jeweiligen Kutschen eigentlich aus? Wie sehen wir sie selbst und wie sieht der andere sie? Wir scheuen uns zum Glück nicht mehr davor, sehr ehrlich miteinander zu sein. Und so kamen bei unseren Kutschen keine wirklichen Wunderwerke hervor.

Meine Kutsche: ein lichtdurchfluteter Camper mit Hoverboards

Jedenfalls hatte ich mir im März vorgenommen, meinen Körper auf Priorität 1 zu setzen und mich im Fitnessstudio anzumelden. Da kam mir der Vergleich gerade recht.

Meine Kutsche darf Power haben, ein helles, einladendes Gefährt sein, das Interesse weckt und zu Begegnungen einlädt, die aufrichtig und echt sind. Sie soll mich gut durch die Zeit tragen und genau ihr eigenes Tempo finden und pausieren wenn sie es braucht.

Anstelle von Kutschrädern stelle ich mir einen lichtdurchfluteten modernen Camper mit Hoverboards vor, der sich dynamisch mit mir und meinem Leben verändern darf.

Übertragen auf meinen Körper bedeutet das:

  • Ich bin gesund. Ich bin fit. Ich bin schön. Ich bin stark.
  • Ich gehe aufrecht. Ich habe Kraft. Ich bin geschmeidig. Ich bin flexibel.
  • Ich halte etwas aus. Ich bin verletzbar. Ich bin weich. Ich bin geduldig.
  • Ich bin eine Kämpferin. Ich diene. Ich bin Energiespeicher. Ich bin Orientierung.
  • Ich bin Kommunikationsplattform. Ich brauche Zuwendung, Bewegung, guten Schlaf.
  • Ich brauche Nährstoffe, Reinigung, Pausen, Kontakt.
  • Ich zeige mich in dem Gewand, das Freude bringt und stimmig ist.
  • Ich bin ein Wunder.

Körpergefühl stärken: warum ich meinen Körper lieber benutzt als gespürt habe

Tja, so isses – und doch nicht ganz. Denn ich war bisher ganz gut darin, meinen Körper zu benutzen und eher zu überlasten. Ihn als wundervolle Kutsche zu betrachten hilft mir, mehr in Kontakt mit mir zu sein.

Dieser Kontakt mit dem Körper wiederum hilft mir, mein Leben präsenter wahrzunehmen, mehr im Augenblick zu sein. Das gibt mir eine neue Orientierung für ein bewussteres Leben. Denn ohne meinen Körper brauche ich mir auch nicht zu überlegen, ob ich jetzt zu dick bin, ein Fältchen zu viel habe, oder der Kollegin vielleicht doch anders hätte begegnen sollen. Und wer räumt heute eigentlich die Spülmaschine aus. Ebenfalls hilft mir dieser Blick noch genauer hinzuschauen bei meinem Hashimoto. Denn hier zeigt mir mein Körper sehr genau, was er braucht, und was nicht.

Drei Relfexionsfragen für dich

  1. Was meinst du zu deinem Körper, wenn du ehrlich bist? Sprichst du mit ihm wie mit einem Wunder, oder eher wie mit einem Werkzeug?
  2. Wann hast du deinen Körper zuletzt wirklich gespürt außerhalb von deinem Funktionsmodus?
  3. Was braucht deine Kutsche gerade am dringendsten: Bewegung, Ruhe, Zuwendung, Nährstoffe, oder einfach mehr Aufmerksamkeit?

Sofort wirksame Selbstliebe: Umarme dich selbst.

Leg die Arme um dich. Atme ein paar Mal tief ein und tief aus. Spüre, dass es dich gibt, dass du da bist, genau in diesem Moment. Hab dich selbst lieb. Dein Körper ist ein Wunder.

Diese Übung reguliert auch dein Nervensystem und lässt dich etwas sicherer im Moment fühlen. Zwei Minuten. Jetzt.

Und wenn du deine Körperwahrnehmung weiter erkunden möchtest: melde dich gerne und ich schaue, wie ich dich unterstützen kann.