Getrennte Schlafzimmer in der Partnerschaft. Anfang vom Ende oder Akt der Selbstfürsorge?

Warum ein eigenes Bett kein Trennungszeichen ist, sondern eine bewusste Entscheidung für dich.

„Wenn du aus dem ehelichen Schlafzimmer ausziehst, ist das der erste Schritt zur Trennung.“ So schwirrte es lange in meinem Kopf herum.

Woher kommt dieser Gedanke eigentlich? Wer hat das behauptet oder ist es einfach so gesetzt durch die heutige Gestaltung von Wohnungen in Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche und Bad? Wenn du in einer Beziehung bist, teilst du gefälligst ein Schlafzimmer.

Ich bin jedenfalls ausgezogen. Mein Mann irgendwie auch. Wir haben 17 Jahre gebraucht, bis wir dieses Schlafzimmerkonzept angefangen haben zu hinterfragen.

Wie es anfing: Schnarchen, Schlafmangel und ein wachsendes Gefühl für mein Bedürfnis

Der gesellschaftlich akzeptierteste Grund für einen Auszug ist Schnarchen und so fing es bei uns wohl auch an. Ich habe schon auf ein wenig zu laute Atemgeräusche sehr genervt und mit Einschlafproblemen reagiert. Mein Partner ist ab und an aufs Sofa umgezogen und hat sich mit Antischnarchmethoden beschäftigt, das war jedoch nicht auf Dauer angelegt und weniger erfolgreich – zumal ich einfach sehr empfindlich bin.

Dann habe ich etwas festgestellt: Immer wenn ich von zuhause weg war und mein eigenes Bettchen irgendwo hatte, war ich richtig glücklich und entspannt.

Zuerst war es nur eine Idee, doch dann wuchs ein Handlungsimpuls in mir. Ich kaufte eine weitere Matratze und suchte ein Plätzchen dafür in unserem kleinen 69qm Haus. Mein Probeschlafen habe ich für gut befunden, doch der Satz mit der Trennung schwirrte mir noch im Kopf herum. Dieser durfte noch bearbeitet werden. Ich fragte mich: was möchte ich, welcher Idee folge ich, stimmt dieser Satz mit dem ersten Schritt zur Trennung für mich. Im Austausch mit meinem Partner kamen wir zu dem Schluss, dass wir das einfach ausprobieren und einen eigenen Weg mit unserem Raumkonzept gehen, weg vom vorgelebten Standard und übernommenen Muster.

Getrennte Schlafzimmer haben unsere Beziehung nicht beendet, sie haben sie bereichert

Genau darum geht es in meiner gestalttherapeutischen Beratung: dich zu ermutigen, deine Bedürfnisse zu spüren, bestehende Muster zu hinterfragen – und entlang dessen, was dir wichtig ist, zu handeln.

Wir sind heute total glücklich so. Ich schlafe viel besser und bin viel zufriedener. Aus der „Normalität“ des Miteinanders wurde wieder ein bewussteres Aufeinanderzugehen – ein Einander-Besuchen, das Gefühl, sich selbst wichtig zu nehmen.

Meine Empfehlung: Trenn dich vom starren Wohnkonzept

Für alle, die gerade eine Wohnung suchen oder einrichten: Trenn dich von dem starren Konzept aus Wohnzimmer, Küche, Schlafzimmer, Kinderzimmer. Bei mir gäbe es heute für jede Person ein eigenes Zimmer, einen Gemeinschaftsbereich, Küche und Wellnessbereich. So etwas wie eine Familien-WG – bewusst gestaltet statt unreflektiert übernommen.

Drei Fragen für dich

  1. Gibt es in deinem Alltag etwas, das du einfach so machst – weil man das eben so macht? Und hast du dich schon mal gefragt, ob es dir gut tut?
  2. Wann hast du zuletzt gespürt, was du wirklich brauchst – nicht was praktisch, fair oder erwartet wäre?
  3. Was wäre ein kleiner, konkreter Schritt, den du heute noch gehen könntest, um dir selbst etwas wichtiger zu nehmen?

Jetzt sofort: Schreib es auf.

Nimm dir zwei Minuten. Schreib auf, nimm Papier oder dein Handy: „Was ich wirklich brauche, aber mir nicht erlaube, ist…“ Schreib einfach drauflos. Ohne nachzudenken. Was kommt?

Wenn du merkst, das du das Thema gerne genauer beleuchten würdest, dann melde dich bei mir.

Hast du auch Lust auf deinen ganz eigenen Schlafplatz und traust dich nicht diesem Gefühl mehr Raum zu geben oder mit deine, Partner darüber zu sprechen?